Jack London International DE·EN
Südseegeschichten
Story collection · № 12 in the canon

South Sea Tales

South Sea Tales · 1911

Eight stories from the Pacific, written during London's twenty-seven-month voyage on the Snark. At their heart: a wheat freighter burning at sea, the last journey of a leper, a pearl-trader episode in the Marquesas.

Original title
South Sea Tales
Published
The Macmillan Co., New York · 1911
Translation
Erwin Magnus (1920s collected edition), Reclam Universal-Bibliothek
Length
8 stories · ca. 240 pages
Written aboard
Yacht Snark — Hawaii / Solomons / Marquesas, 1907–1909
Full text
Original online · German translation available

About the Book

South Sea Tales was written while Jack and Charmian Kittredge London sailed the Pacific aboard the custom-built schooner Snark, beginning in 1907 — a voyage planned for seven years but ending after twenty-seven months in Sydney, when London fell ill with a mysterious metabolic disease, probably pellagra.

The eight stories distill what London witnessed in Hawaii, the Solomons, Tahiti, and the Marquesas: the leper colony at Molokai, the erosion of Polynesian cultures under the pressure of white traders and missionaries, a freighter burning at sea. It is the darker sister of The Cruise of the Snark — where that book is travelogue, this one is fiction.


Notably The Chinago and Mauki drew accusations of sentimentality — but on closer reading, both are sober indictments of colonial violence. The Heathen, by contrast, is one of his finest stories of male friendship, written with the economy of a late Conrad.

Full text · Deutsch
Chapter I · 2 / 28 min
Chapter I — South Sea Tales

Fire at Sea

Translated by Erwin Magnus · Source: Projekt Gutenberg-DE — shown here in the German translation; original English available

Die 'Pyrenees', deren eiserne Planken von ihrer Weizenlast tief ins Wasser gedrückt wurden, rollte träge und machte es dem Manne leicht, der aus einem kleinen Auslegerkanu an Bord kletterte. Als er die Reling in Augenhöhe hatte, so daß er an Bord sehen konnte, schien es ihm, als sähe er einen schwachen, kaum wahrnehmbaren Nebel. Es war wie ein flimmernder Schleier, der sich plötzlich über seine Augen gelegt hatte. Er spürte eine Neigung, ihn hinwegzuwischen, und dachte zugleich, daß er anfinge, alt zu werden, und daß es Zeit würde, sich aus San Francisco eine Brille kommen zu lassen.

Als er die Reling erreicht hatte, warf er einen Blick auf die hohen Masten und dann auf die Pumpen. Sie arbeiteten nicht. Dem großen Schiffe schien nichts geschehen zu sein, und er fragte sich, warum es das Notsignal gehißt hätte. Er dachte an seine glücklichen Insulaner und hoffte, daß es keine Krankheit wäre. Vielleicht waren das Wasser oder die Vorräte auf dem Schiffe ausgegangen. Er begrüßte den Kapitän, dessen hageres Gesicht und sorgenschwere Augen kein Hehl machten aus dem Unglück, welcher Art es nun sein mochte. In demselben Augenblick spürte der Mann einen feinen, fast unmerklichen Geruch. Er glich dem von verbranntem Brot, war aber doch anders.

Neugierig blickte er sich um. Zwanzig Fuß entfernt kalfaterte ein Matrose mit müdem Gesicht das Deck. Als seine Augen auf dem Manne hafteten, sah er plötzlich unter dessen Händen eine schwache Nebelspirale aufsteigen, die sich kräuselte, drehte und dann verschwunden war. Gleichzeitig fühlten seine bloßen Füße eine dumpfe Wärme, die schnell durch die dicken Schwielen drang. Jetzt wußte er, welches Unglück. das Schiff betroffen hatte. Sein Auge streifte schnell das Vorschiff, wo die ganze Mannschaft ihn gierig mit sorgenvollen Mienen betrachtete. Der Blick seiner klaren braunen Augen glitt wie ein Segen über sie hin, beruhigte sie und hüllte sie gleichsam in den Mantel eines großen Friedens. "Wie lange brennt das Schiff schon, Kapitän?" fragte er mit einer so sanften, gleichmütigen Stimme, daß es wie das Gurren einer Taube klang.

Im ersten Augenblick fühlte der Kapitän den Frieden und die Ruhe, die von jenem ausgingen, in sein Herz einziehen; dann kam er wieder zum Bewußtsein alles dessen, was er durchgemacht hatte und noch durchmachen mußte, und er wurde ärgerlich. Mit welchem Recht flößte dieser zerlumpte Taugenichts in Baumwollhosen und Leinenjacke seiner überlasteten, erschöpften Seele Ruhe und Frieden ein? Das dachte der Kapitän nicht; es war nur die unbewußte Gemütsbewegung, die seinen Unwillen hervorrief.

"Vierzehn Tage", antwortete er kurz. "Wer sind Sie?" "Ich heiße McCoy", lautete die Antwort in einem Ton, der Sanftmut und Mitleid atmete.

McCoy ließ seinen segnenden Blick über den großen breitschultrigen Mann mit dem hageren unrasierten Gesicht gleiten, der neben den Kapitän getreten war. "Ich bin ebensogut Lotse wie jeder andre hier", antwortete McCoy. "Wir sind hier alle Lotsen, Kapitän, und ich kenne jeden Zoll dieser Gewässer." Doch der Kapitän war ungeduldig.

"Ich brauche jemand von den Behörden. Ich muß ihn sprechen, und das schleunigst."